MyKungFu - Romantic Archeology


trespass.ch, März 2010
Monthy


Es ist manchmal schon komisch, wenn eine Band sich nicht auf ein Gefäss einschränken will. Als Hörer gestehe ich den Musikern aber natürlich gerne ein, dass sie bestimmen können, was zusammen passt und was nicht. Obwohl sie vielleicht oft auch gar keine Wahl haben als sich selbst zu sein.

Wenn das jemand ist - so wie MyKungFu - dann resultieren so schräge Kommentare wie "eine Mischung aus den Beatles und Marilyn Manson" daraus... Zur Erklärung: Die Musik von MyKungFu ist nicht in der Mitte dieser beiden an sich unvereinbaren Acts. Es gibt einfach quasi zwei Kunf Fus.

Das erste ist ein sanftes und akustisches Kung Fu, das eben tönt, als ob "The Big Five" sich damals einfach vor der Welt verschlossen hätten, um 30 Jahre lang im Dunkeln an ihrem Sound zu tüfteln.

Das andere Kung Fu könnte dazu führen, dass die Band ein One Hit Wonder feiern darf. Der Track "Everything is good" ist nämlich nicht nur verdammt eingängig, sondern sucht im sanften Industrial-Bereich seinesgleichen. Die Verfremdung der Stimme ist dabei vielleicht hauptverantwortlich für den Manson-Vergleich. Auch der kontroverse Cooper-Nachkömmling arbeitet schliesslich gern mit "dreckigen" Vocal-Effekten - und mit starken Bässen. Diejenigen von MyKungFu sind zwar mehr im Pop zuhause, aber in "Everything is Good" zeigt die Band, wieviel Industrial und Rock eigentlich in ihr steckt. Das übersieht man gern, wenn man sie mit den Holz-Gitarren tingeln hört, obwohl auch das absolut tolle Musik ist. Und modern im Klang.

Einen Pluspunkt besonderer Art holen sich die Kaffetrinker mit einem Effekt am Ende ihrer Single ab - eine Espressomaschine rattert, bevor sich MyKungFu pfeifend wieder ihrem etwas weniger plakativen Pop hingeben.

Potential unglaublich - nur aufpassen, dass man nicht dort endet, wo man nicht hin will...