Der Charme liegt im Detail


Der Landbote vom 26. April 2012


Von: Rolf Wyss

Domi Schreiber setzt voll auf die Karte MyKungFu. Wieso auch nicht? Mit seiner neuen CD "Repeat Spacer" ist dem Wahl-Winterthurer ein ganzheitliches Stück Popmusik gelungen.

Grosse Töne spucken ist nicht sein Ding, grosse Popsongs kreieren hingegen schon. An die Karriere im gleissenden Scheinwerferlicht und kreischende Teenager-Mädchen dachte Domi Schreiber eher weniger, als er seinen Alleingang namens MyKungFu initiierte. Recht erfolgreich war der Singer-Songwriter damals mit William Whites Begleitband The Emergency unterwegs; früher war er Mitglied der Aargauer Gruppe HNO.

Schreiber hatte indes eigene Songs im Kopf, die er unbedingt vor Publikum spielen wollte. Ob sie funktionieren würden, wusste er nicht. Er wusste nur, dass er keine Zugeständnisse machen wollte. So klang das Debüt "Romantic Archaeology" denn auch, eine durchaus romantische Ausgrabung verschiedenster Pop-Stilarten von Kleinkunst-Punk bis Wohnzimmer-Folk. Letztes Jahr legte er "Analog" nach, eine charmante Neubearbeitung seines Werks im Duoformat.

Eine Art Best-of

"Repeat Spacer", vor zwei Wochen mit vielen Gästen im Theater am Gleis getauft, könnte man durchaus als eine Art Best-of sehen bloss mit neuen Songs, sieht man von einer Reprise von "Romantic Archaeology" ab, das als Bandversion zu hören ist. Den grössten Teil der CD hat Schreiber im Alleingang aufgenommen, wichtige Beiträge haben zudem die beiden Schlagzeuger Matthias Kräutli und Peter Haas sowie Bassist Lukas Speissegger geliefert. Letzterer amtierte auch als Produzent; Schreiber kennt Speissegger seit gemeinsamen HNO-Tagen.

Auf "Repeat Spacer" hat Domi Schreiber sein ganzes Pop-Verständnis in zwölf Song-Preziosen verarbeitet. Der Ausbruch aus der wohlbekannten MyKungFu-Komfortzone a la "Hesitate" ist beabsichtigt, beispielsweise in Form des voluminösen Spiels von Matthias Kräutli, der dem Kammerpop einen Hauch von Hallenstadion einimpft. "Stuck in Paradise" endet mit einer elektronischen Instrumental- Coda von Kräutlis Hamburger Projekt Pixie Paris. "Matthias lieferte mir seinen Schlagzeug-Part elektronisch, hatte aber vergessen, das Teil von Pixie Paris zu löschen", erklärt Schreiber schmunzelnd. "Ich war total begeistert und integrierte es sofort in den Song."

Es sind diese Details, die den Charme von "Repeat Spacer" ausmachen. Bei aller Liebe zu überraschenden Effekten, stupenden Fiepsern oder einem Schlüsselanhänger auf musikalischen Abwegen sind es aber die Songs, die das Album tragen. Wer eingängiges, aber nie stupides Radiofutter sucht, wird mit "Damage" oder "Shine, Shine, Shine" fündig, etwas komplexer kommt die beinahe schon euphorische Instrumentalnummer "Try Not To Talk" daher.

Auf dem alten Casio

Die typische MyKungFu-Melancholie findet man auf "Into The Whirlpool" wieder, die man sich auch ohne grossen Fantasie-Aufwand im Pink-Floyd-Mikrokosmos vorstellen kann. Der typische Schrummelsong hat sich dieses Mal als Gegenpol elektronische Spielereien aus den 80er-Jahren ausgesucht.

Die scheinbar zufällig aneinander gereihten Stile harmonieren erstaunlich unpreziös. "Repeat Spacer" mag eine lässige Zufälligkeit verströmen, ein kreatives Chaos. Das Gegenteil ist der Fall: Domi Schreiber hat viel Zeit in die Entstehung der CD gesteckt und seine im Kopf skizzierten Songs Schritt für Schritt auf seinem alten Casio-Synthesizer umgesetzt. "Repeat Spacer" ist aber auch ein Baby des Internet-Zeitalters, das ohne die finanzielle Gnade einer Plattenfirma, dafür mit den Segnungen der modernen Technik entstanden ist. Plastikpop ist Domi Schreibers Sache nicht, "Repeat Spacer" beweist es eindrücklich mit Songs, die sich ab und zu auf Abwege begeben, aber immer wieder zu sich selber zurückfinden.