Erfrischend schräger Pop aus Winterthur.

LAUT.DE- Kritik, 8. November 2013
Review von Giuliano Benassi

Die Liebe zum Detail zeigt sich schon bei der Verpackung. Klappt man sie auf, erscheinen im Inneren vier Karten, die man links einschieben kann – fertig ist das Lieblingscover. Auf der Rückseite der Karten finden sich Texte und Danksagungen. Selbst die CD sieht besonders aus, nämlich wie eine stilisierte Vinyl-Platte.

Noch viele Stunden mehr muss Domi Schreiber alias MyKungFu, geboren in Bern und sesshaft in Winterthur, damit verbracht haben, die Musik für seinen Zweitling zu kreieren. Dass er einst in einer erfolgreichen Band (für schweizerische Verhältnisse), nämlich HNO, gespielt hat, lässt sich nicht verleugnen. Ausserdem war er in William Whites Liveband tätig wie auch für Jael Malli, der ehemaligen Sängerin von Lunik. Unter seinem Pseudonym bietet er Pop, der erfrischend schräg ausfällt.

Mit Akustikgitarre, Orgeln, vor allem aber allerlei elektronischen Klängen und Tüfteleien entführt Schreiber in eine Traumwelt, die nicht süss ausfällt, sondern eher eine Reise darstellt. Keine bedrohliche, dennoch eine mit Kanten und kleineren Hindernissen. "In this whirpool / we're being thrown in at our birth / I struggle to swim / so I dive, far below the surface of the turmoil we're in" , sinniert er in Track Nummer acht.

Und erklärt so ein bisschen auch seine Musik, die abseits der Trends schwimmt und doch nicht völlig abhebt - oder untergeht. Der Pool ist letztendlich für alle da. Zur Seite standen ihm neben Sebastian Horn von Bananafishbones auch der Züricher Sänger Biggles und viele weitere Gäste. Ein Gemeinschaftsprojekt, das auf der Bühne je nach Verfügbarkeit in unterschiedlichen Formationen auftritt, von Schreiber solo (Gesang, Gitarre, Loops) bis hin zum Quintett.

Immer wieder meint man, Zitate aus den 80er Jahren zu hören. Mal Falco ("Into The Whirlpool"), mal Moroder (das instrumentale "Try Not To Talk"), mal jemand anders. Zwar erhält das Album mit "Damage" auch eine Single, doch macht es eher Sinn, das Werk als Ganzes zu betrachten und anzuhören. Onirischer Pop, der entspannt und zugleich in einer eigene Welt entführt.