Stelldichein der Winterthurer Musikszene


Der Landbote vom 15. April 2009


Von: Marc Leutenegger

Das Saisonfinale der Molton-Reihe wird zum Klassentreffen der lokalen Musikszene: 13 Gastmusiker versammelt MyKungFu. Captain Moustache und Fredo Ignazio frönen dem Minimalismus.

winterthur Die Ausgangslage war für Domi Schreiber und Claudio Landolt dieselbe: Vor knapp einem Jahr wurde den beiden in Winterthur ansässigen oder vielmehr einst hier gestrandeten Musikern angeboten, den letzten Abend der Molton-Reihe 2008/2009 zu bestreiten. "Macht, was ihr wollt", lautete die Direktive von Veranstalterin Julia Foster. Einzige Auflage: Den formalen Gepflogenheiten der stillen, für unverstärkte Klänge bekannten Konzertreihe müsse entsprochen werden.

Das Resultat der offenen Versuchsanordnung ist morgen im Theater am Gleis zu hören und eines steht schon jetzt fest: Es wird ein Doppelkonzert der Kontraste. Denn so unterschiedlich die beiden Musiker sind, so weit liegen auch ihre Pläne für den Abend auseinander. Claudio Landolt, bekannt als Lead-Sänger der Winterthurer Band The Loops, gibt sich minimalistisch und betritt in der Formation Captain Moustache & Fredo Ignazio die Bühne. Geradezu orchestral verspricht hingegen der Auftritt von Domi Schreiber alias MyKungFu zu werden, der nicht weniger als 13 Gastmusiker zusammengetrommelt hat.

Hausierer mit Gitarre

Sein Soloprojekt hat Domi Schreiber, ehemals HNO und heute Gitarrist von William White, vor drei Jahren ins Leben gerufen. "MyKungFu, das ist das, was ich am besten kann", erläutert er den aus einem Film entliehenen Namen, der für ihn immer auch eine Zielvorgabe war. Denn lange hatte sich der heute 35-Jährige mit seinem Soloprojekt schwergetan. Es fehlte der Glaube an die eigene Stimme. "Erst als ich merkte, dass ich meine Songs selber singen muss, hat sich der Knoten gelöst." Seit einem Jahr ist der gebürtige Berner nun mit seinem Soloprojekt unterwegs. MyKungFu steht in der Tradition des Singer-Songwritertums, zeigt in den Harmonien aber starke Indie-Einflüsse. Die Texte handeln, in guter Rockmusikmanier, von den düsteren Seiten der Liebe. Er erzähle von Abgründen aus einer sicheren Distanz heraus, sagt Schreiber. "Und der Schalk steckt überall drin. Denn würde man alles ernst nehmen, müsste man sich von einer Brücke stürzen."

Zuletzt war er Anfang April im Salzhaus als Vorband von Gigi Moto gebucht, ein Auftritt nur mit Gitarre und Stimme. Morgen Abend wird Schreiber seinen Sound zum ersten Mal "in ganzer Fülle live performen können". Dafür hat er keine Mühen gescheut. &Uuuml;ber zwanzig Musiker hat er um Mitwirkung angefragt und mit den 13, die zugesagt haben, aus organisatorischen Gründen einzeln geprobt. "Ich bin mit der Gitarre hausieren gegangen."