Klappern und schwelgen


Züritipp vom 10. Februar 2010
Von Dominik Dusek


Radiopop mit Hermes Baby: Die melodiösen Indie-Songs von MyKungFu sind geeignet, das eine oder andere Herz zu öffnen.

"Das gehört alles ihm." Markus Dürrenberger, der sogenannte Sekretär von MyKungFu, sitzt zwischen Gegensprechanlage, Kindermetallofon und Uralt-Schreibmaschine und zeigt auf seinen "Chef". Aber Anklage ist das keine. Dieser Job sei "ein Bubentraum", sagt Dürrenberger.

Der Chef heisst Dominik Schreiber und hat nach ein paar Saisons als Gitarrist bei Soul-Popper William White nun die erste Solo-CD "Romantic Archeology" aufgenommen. Wenn er als MyKungFu mit seinem Sekretär im Duo auftritt, geht es um das Überraschende im Wohlbekannten. Einfach klingende, aber ausgefuchste Indie-Popsongs werden mit neckischen Geräuschen angereichert: mit dem Klappern der Schreibmaschinenhebel oder mit dem Blubbern von Wasser. Das scheint verspielt, ist als Musik aber schlüssig und atmosphärisch stark. Es entstehen samtige, einfallsreiche, dezent ins Psychedelische hinübergleitende Lieder mit Einflüssen von Latin bis Grunge.

Auch auf der CD dominieren effektvolle Arrangements: Bei "Everything Is Good" übernimmt im Refrain plötzlich ein böser, verzerrter Bass, bei "The Silence of Love" löst sich die schwelgerische Melancholie fast im Flattern eines Synthesizers auf. Zusammengehalten wird alles von Dominik Schreibers voller Stimme, die sich emphatisch, aber nicht überkandidelt den Melodien widmet.

Auf der Bühne liebt es MyKungFu, verschiedene Besetzungen bis hin zum 16-Mann-Orchester einzusetzen. Stets mit dabei ist Sekretär Dürrenberger. Und stets geht es da um eine Liedersammlung, die die grossen Gesten des Pop mit zahllosen kleinen Ideen umsetzt. Ab in die Radios!