Es braucht Mut, nicht Ambition!

lieinthesound.de vom 22.November 2013

Als mir vor einigen Wochen das Album Repeat Spacer von MyKungFu in meinem Briefkasten auftauchte, hätte ich durchaus schwören wollen, dass es durchgeknallten Punk oder aber wahnwitziges elektronisches Gefrickel aufbieten würde. Weit gefehlt! Der unter dem Namen MyKungFu werkende Schweizer Domi Schreiber will zartbittere Popsongs mit Ambition abliedern. Nun ist Ambition immer ein zweischneidiges Schwert. Natürlich soll der Musiker von ihr beseelt sein, aber sobald Hörer oder Musikkritiker etwas als ambitioniert bezeichnet, steht oft der Vorwurf des Scheiterns im Raum. Wenn etwas ambitioniert tönt, ist es in aller Regel zumindest anstregend. Natürlich wirkt Repeat Spacer durchaus kleinteilig im Sound, nur selten mit sofort eingängigen Melodien erfüllt, freilich scheint das Album gar nicht erst im Verdacht stehen zu wollen, einen etwaigen Käufer zu unterfordern. Das nenne ich mutig. Dieser Mut bleibt auch nicht unbelohnt.

Repeat Spacer stellt einem auf Bass, Gitarre und Schlagzeug eingedampften Pop ab und an einige elektronische Sperenzchen zur Seite. Das sorgt für ein gewisses Mass an Unruhe, für ein Störflackern im Hintergrund, verhindert sich einnistende Behaglichkeit. Und diese könnte sich durchaus einstellen, denn Schreibers klarer Gesang wärmt das Herz, ist ob seiner unprätentiösen Art sympathisch. Schon zu Beginn der Platte lässt MyKungFu bei Try Again die Worte “Come shelter your heart from the storm outside” und “Take off your load” verlauten, kreiert eine heimelige Intimität. Diese Intimität, das ehrlich Introspektive bleibt dem Werk auch erhalten. Mit dem nervösen, sich zugleich lakonisch die Haare raufenden Damage ist auch einer der radiotauglichsten Songs der Platte sofort ausgemacht. Sperriger fällt da schon No More Sunrises aus, dessen textliche Weinerlichkeit von musikalisch erhabener Gleichmut konterkariert wird. The Secret Song dagegen ist das heimliche Highlight des Albums, bestechend durch kompakten 90er-Alternative-Touch, straight und ohne Mätzchen, unaufgeregt liebeszart. Gerade als man sich jedoch denkt, dass dieser Zugang dem gesamten Album gut zu Gesicht gestanden wäre, kommt mit Try Not To Talk ein Instrumentalstück um die Ecke, das aufgeputschte Beats mit kräftigen Bläserfanfaren mischt, trotz Zappeligkeit melodisch mitreisst. Anhand der beiden letztgenannten Tracks zeigt sich schon, dass Repeat Spacer mit dem Popsiegel vielleicht nicht immer gut etikettiert ist. Auf den Song Shine, Shine, Shine trifft es freilich ganz und gar zu, auch wenn ich mir in den Hintern beissen könnte, weil mir einfach nicht einfallen will, bei welchem Lied hier Anleihen genommen werden. Ich meine, es sei eines von The Kinks.

Die Uneinheitlichkeit von Repeat Spacer erscheint mir mutig. Die offensichtliche mangelnde Koheränz dieses Werks wird allerdings von einzelnen Tracks vergessen gemacht. MyKungFu zeigt sich als Mann der vielen Talente, ein musikalischer Tausendsassa, der diese vielleicht für sich selbst noch gewichten und ordnen muss. Derweilen darf sich der Hörer an einem vielfältigen, in der Grundstimmung sehr ansprechenden Album erfreuen, dass die eine oder andere Perle zum Funkeln bringt. Und manchmal, ja manchmal glitzert sogar zartbitterer Pop hervor.

Repeat Spacer ist am 08.11.2013 auf Solaris Empire erschienen.