neue töne (1351): mykungfu


dasklienicum.blogspot.de, 2. November 2013


etablierter musiker und anerkannter kollege. in vierlei rollen gefällt sich domi schreiber. dass sich damit ruhm und ehre erarbeiten liessen, steht auf einem anderen blatt. auch sein zweites album "repeat spacer" erstellte der schweizer in eigenregie, obwohl... ja, obwohl er so viel mitbringt, das ihn für grösseres auszeichnen liesse. diese unendliche musikalität, die diversität seines ausdrucks, die mannigfaltigkeit der bezüge, die launen, die ungezügelten triebe. aufgehübscht in ansprechendem design begegnet dem aufmerksamen hörer auf der nun auch demnächst in deutschland (08. november) erhältlichen cd ein songwriter feinster güte, der den eigenen ansprüchen standhält. die sind hoch, sonst wagte er die ausflüchte nicht, sonst entfernte er sich nicht immer wieder vom song und kehrte reuig zurück, ohne die entlegenen minuten dazwischen als pause zu begreifen. das hat schon viel philosophisches potential. als ginge es darum, das leben zu begreifen und ein abbild von dieser idee zu entwerfen. das kann nichts eingleisiges werden, und nichts, das nur in eine richtung weist.

das elektronische instrumentarium scheint reich, doch sind die echten werkzeuge eines musikers nicht weit. fleischig fühlt sich letztlich an, was aus den lautsprechern tönt. vielfach benetzt mit den zwischen- und nebengeräuschen, die auch das dasein auf niedere weise beeinflussen und doch erst zu dem machen, was es ist: interessant, spannend. am ende obsiegt die schwere grundierung, das pathosbesetzte lied, das poppige schwelen, die grossangelegte psychnummer. die klaviatur, auf der sich schreiber aka mykungfu bedient, ist breit. auch vor klassisch anmutenden momenten scheut er sich nicht. liquide ergiesst sich ein jedes element in seine konzeption aus harmonie und munter-bunter ausgestaltung. bei gleichzeitigem fehlen eines mangels an ernsthaftigkeit, stellen wir fest.

schreiber ist jahrgang 73, da wartet die welt nicht mehr, da muss man hinterher eilen. unterstützt hat den in winterthur lebenden dabei lukas speissegger, der für die produktion des albums verantwortlich zeichnete.