Pop für das Herz


Der Landbote Winterthur Stadt | 16.09.2011


Von: Felix Reich

Die Herbstmelancholie darf kommen: Dominik Schreiber schenkt ein Stück Musik, das unverwundbar macht. Sein Sekretär spielt dazu Schreibmaschine. MyKungFu zeigt mit jedem Lied neu, wie sehr Pop zu Herzen gehen kann.

Bereits das Debüt war ein Glück. Jetzt hat Dominik Schreiber zusammen mit Markus Dürrenberger seine fabelhaften Popsongs nochmals eingespielt. Nur mit Gitarre und Schreibmaschine beispielsweise («Fear the Light»). Hier hilft ein Pfeifen gegen die Angst. Überhaupt schreibt Schreiber allem Düdeldü zum Trotz Musik, die zu Herzen geht. Weil er die Angst nicht wegsperrt. Erst aus der Furcht wächst die Zuversicht. Ganz langsam, mit jedem Atemzug («Behind the Tree»). Und schon ist da ein Akkord für den schüchternen Tanz und eine Melodie, die unverwundbar macht: «Hesitate».

Für sein dramaturgisches Geschick spricht, dass Schreiber zwischen Liedern für die Herbstmelancholie das klaustrophobe «Panic» schaltet: Ein fantastischer Song, der den Rhythmus Störgeräuschen verdankt und das befreiende Schlagzeug konsequent verweigert. Die neue Platte hört auf den Namen «Analog» und ist eigentlich nur ein Zwischending, das in einer Miniauflage von 500 Exemplaren erscheint. Verkaufen will es Schreiber vor allem an Konzerten. Am heutigen Abend im Salzhaus beispielsweise, wo MyKungFu vor William White auftritt.

Mit White ist Schreiber seit vielen Jahren als Gitarrist unterwegs. Zudem macht er zurzeit für das Katerland Theatermusik. Auch da mit präziser Zurückhaltung und grossen Songs. Im Frühling kommt die neue Platte. Ein paar auf der Bühne erprobte Songs, die auf «Analog» ihren Platz gefunden haben, werden dort zu hören sein und sind schon jetzt ein Versprechen.

Das Glück aus der Not

Das Geschenk zum Herbst ist übrigens den knausrigen Konzertveranstaltern zu verdanken. Die angebotenen Gagen waren so mickrig, dass Schreiber nicht mit seiner Band auftreten konnte. Spielen wollte er trotzdem. Überhaupt ist es seine Stärke, dass er sein Ding durchzieht. Unaufgeregt, Schritt für Schritt. Und mit ein wenig Hilfe von Freunden: Mit Dürrenberger erfand er flugs MyKungFu mit Sekretär.

Das Sekretariat erledigt neben den Schreibmaschinenarbeiten das Akkordeonspiel (vielleicht ohnehin der schönste Trost für die grundlose Trauer) und so ziemlich alles andere auch. Auf der Bühne machte das Duo dann ein bisschen Theater. Und natürlich zarte, charmante, zwischendurch sperrige und immer sehr sch&öuml;ne Musik. Um beurteilen zu können, ob die Lieder auch in den spartanischen Versionen funktionieren und die Arrangements stimmen, spielten Schreiber und Dürrenberger im Studio ein Konzert für sich selbst. Das Resultat war zu gut, um es für sich zu behalten.