Song des Tages & Hootenanny im Papiersaal mit MyKungFu


78s.ch vom 15. März 2010


Von: Sabrina Stallone

Es ist wohl kein Geheimnis mehr: Zürich muss sich in Sachen Musikstadtpotential warm anziehen, wenn es nordöstlich zur kleinen Schwester Winterthur rüberschielt. Einen weiteren Grund dazu bietet MyKungFu.

Domi Schreiber aka MyKungFu ist streng genommen nur ein zugezogener Winterthurer. Trotzdem gehört der umtriebige Berner zum harten Kern der städtischen Musikszene. In den letzten Jahren war er als Keyboarder des Rockquintetts HNO und als Gitarrist von William White in hiesigen Konzertlokalen zu sehen. In dieser Zeit war MyKungFu eine geheime Schatztruhe, in der er seine persönlichen Tüfteleien herbergte.

Nach einer Vielzahl von Auftritten erscheint am letzten Freitag "Romantic Archeology", sein Debütalbum, dass diese lange verborgenen Stücke enthüllt. Die Songs handeln vom Di- und Konvergieren von Herzen, vom sich Sehnen nach Frühlingsgefühlen und von monumentgewordenen verflossenen Lieben. Fadengrad süsse Melodien werden von verschiedensten Elementen umrankt: auf Fear The Light wird der Rhythmusakzent gekonnt auf eine alte Schreibmaschine gesetzt. Und wenn die süsse Melasse von Please Please Me und Romantic Archeology fast schon zu überschwappen droht, wird man vom störrischen Everything Is Good und von der Lo-Fi-Nummer Panic zu Schreibers rockigen Wurzeln zurückgerissen.

Dass sich MyKungFus Experimentierfreude bestens für eine Hootenanny eignen würde, dachte sich das Papiersaal-Team in Zürich wohl auch, als es den Künstler für die fünfte Ausgabe dieser Reihe verpflichtete. Wenn es Winterthurs Songwriter der Stunde in die benachbarte Kleingrossstadt zieht, befindet sich mit ihm eine eklektische Truppe von Powerfolkern mit Rapbegleitung (The Golden), Stimmwundern (Gigi Moto) und Songwriterinnen mit Rockbandhintergrund (Lesley Meguid, Ex-Redwood) auf der Bühne.