MyKungFu Repeat Spacer

whiskey-soda.de, Januar 2014
BartekJC

Domi Schreiber alias MyKungFu ist kein 08/15 Musiker. Er ist anders, eigen, ein Künstler halt. Schon die Verpackung seiner neuen CD 'Repeat Spacer' bereitet einem zunächst einen verdutzten Gesichtsausdruck. Nach beiden Seiten ausklappbar, findet man elegant verpackt vier Karten. Auf der Rückseite stehen diverse Songzitate - wohlgemerkt: bloss Zitate, nicht wie gewöhnlich die kompletten Lyrics der Songs - und eine Danksagung mit Namensliste. Die Vorderseiten jedoch ergeben vier unterschiedliche, künstlerisch schön gestaltete Cover. Vermutlich, um nach dem subjektiven Empfinden zu entscheiden, welche abgebildete Szenerie oder Darstellung zu 'Repeat Spacer' am besten passt. Schon bei dieser unkonventionellen CD-Hülle sticht die künstlerische Ader heraus.

Nach diesem hübschen Einstieg beginnt das Album mit 'Try Again' und einem langen, instrumentalen Intro, das den Hörer in die Musik wortwörtlich eintauchen lässt. Man fühlt sich wie in einem U-Boot, während man langsam immer tiefer in den Rausch der Musik versinkt. Elektronische, nicht-instrumentale Klänge sorgen für Akzente, die dennoch nicht hervorstechen, sondern die erschaffene meditative Stimmung untermalen. Und erst nach über anderthalb Minuten setzt der Gesang ein, der wunderbar zart dem Song die restliche Fülle verleiht.

Und genauso originell geht es weiter. 'Behind The Tree' startet mit zunächst zusammenhanglosen perkusiven Lauten und einem Akkordeon-Motiv, ehe Drums und Bass dem ganzen eine Struktur verleihen und gemeinsam mit Gitarre und Akkordeon einen Roadtrip-Touch geben. Danach folgt mit 'Damage' ein poppiger, flotter Verdacht auf eine Single. 'Stuck In Paradise' erinnert zunächst an U2s 'Bad' und ist harmonisch experimenteller, bis ab der zweiten Hälfte wieder ein rein instrumentaler, etwas Synthie-lastiger Teil folgt. Das Ende jedoch erwartet niemand: Urplötzlich sind die letzten 20 Sekunden des Titels ein kitschig-trashiger Eurodance-Abklang.

Weil MyKungFu von gesangloser Musik noch nicht genug kriegt, darf der Song 'Try not to talk' natürlich nicht fehlen. Wie der Titel andeuten lässt, kommt die Stimme hier nicht zum Einsatz. Stattdessen geniesst man einen intensiven Beat und spacigen Synthie, sodass man gleich einen spannenden, imposanten Raketenstart vor Augen hat. Und nach dreieinhalb Minuten verlässt man endlich die Atmosphäre, erreicht die Schwerelosigkeit des Alls und betrachtet - sanft nur von einer E-Gitarre mit Echo-Effekt begleitet - den unbeschreiblichen Ausblick.

Wenn man Repeat Spacer einen Vorwurf machen kann, dann den, dass es nicht mit 'Shine, shine, shine' aufhört. Der Song erscheint zunächst wie harmloser, gewöhnlicher Sommerpop zum Entspannen. Doch am Ende katapultiert man den Zuhörer in die Küche einer Frau. Man hört nur noch beiläufig den Song aus einem Radio laufen, während sie Geschirr abwäscht. Schliesslich schaltet sie das Radio aus und trällert das Lied weiter vor sich hin. Allein, dass der Song so aufhört, ist schon grandios. Aber ans Ende der Platte hätte er doch am besten gepasst.

Das Bewundernswerte an MyKungFu ist zweifelsohne die Tatsache, dass er als noch relativ unbekannter Musiker mit seinem zweiten Album nicht auf kommerziellen Erfolg aus ist. Diese Platte beweist viel mehr, dass Domi Schreiber ein echter Künstler ist, ein individueller und origineller Kreativkopf. Und genauso eigen wie Repeat Spacer sind auch seine genannten Einflüsse: Bruce Lee, die NASA - vielleicht klingt die Scheibe deswegen an manchen Stellen so abgespaced -, Schreibmaschinen und diverse andere kreative Vorbilder. Doch nach dem Gehörten zu urteilen gehören auch Pink Floyd, David Bowie oder The XX dazu. Insgesamt ist 'Repeat Spacer' ein Album, das jegliche Sphären entdecken möchte. Von den Tiefen des Ozeans bis zu den Weiten des Weltalls. Und es gelingt.