„Wir sind mit der NASA ins All geflogen und haben das Ganze in Schwerelosigkeit gedreht“

Orkus, November 2013
Kerstin Müller

Unter dem Titel Repeat Spacer präsentiert der Schweizer Domi Schreiber sein erstes, phantasievolles und zum Träumen anregendes Album in Deutschland und seinen zweiten, richtig vielseitig noch handgemachten Longplayer überhaupt. Wer akustische Gitarre, zarte Beats, zarte Synthiesounds und melancholisch angehauchte Bläser- oder Basstöne seine bevorzugte Klanglinie nennt… STOPP: an MyKungFu gilt es nicht vorbeizuhasten. Hier gibt es viel zum Mitnehmen!

Orkus: Sehr selten habe ich in der letzten Zeit ein Werk in den Händen gehalten, das so formschön und einfallsreich verpackt war. Wer hatte diese schöne Idee? Und woher stammen die Bilder, die man wechselweise zum Covermotiv umfunktionieren kann?

Domi Schreiber: Das Cover habe ich zusammen mit einem Graphikerduo aus Winterthur erarbeitet. Wir haben uns im Vorfeld der Produktion mehrmals bei mir am Küchentisch mit einem Glas Rotwein zusammengesetzt und Ideen ausgetauscht. Dabei entstand die Idee, das Cover nach Geschmack gestalten zu können. Es sollte für den Hörer auch der Anreiz entstehen, eine CD in der Hand halten zu wollen, statt das Album „nur“ auf iTunes et ceterea downzuloaden. Was meiner Vorliebe des „Handgemachten“ entspricht, was besonders auf der Bühne sehr gut zur Geltung kommt. Die Bilder habe ich alle selber mit dem Handy gemacht. Es sollte persönlich bleiben.

Orkus: Würdest du dich selbst als „Träumer“ bezeichnen? Denn wenn man den neuen Klängen lauscht, schwindet irgendwie das eigene Gedankenkarussell im Kopf… Man fliesst beim Opener Try Again in eine andere Richtung, weg von Stress, Hektik und Autogehupe…

Domi Schreiber: Ich bin auf jeden Fall auch ein Träumer und vergesse oft, was um mich herum abgeht. Als Musiker habe ich zudem das grosse Privileg, damit meine Kunst zu bestreiten! Ich darf mich fallen lassen, mir Zeit nehmen und schauen, wohin mich eine Stimmung entführt. Die Musik von MyKungFu soll den Hörer auch dahin entführen, wo er/sie sich wohlfühlt. Die Lieder sind zwar im Grunde Pop- Songs, die eine klare Geschichte erzählen sollen. Dabei entstehen aber auch immer Klanggebilde mit Ecken und Kanten, die sich erst nach mehrmaligem Hören erschliessen dürften. Bereits als Teenager habe ich mir reihenweise Filmsoundtracks – damals als LP – gekauft und besonders die instrumentalen Kompositionen geliebt: John Williams, Alan Silvestri, John Barry, Hans Zimmer… die orchestralen Klänge haben wohl irgendwie ihren Weg in meine Musik gefunden.

Orkus: Aus welchem inneren Impuls heraus entstand das erste Stück von MyKungFu überhaupt? Und hat es dieses auch auf ein Album geschafft?

Domi Schreiber: Ich gehe meist vor wie ein Bildhauer, arbeite Schicht um Schicht ab, haue weg, was unnötig ist Doch manchmal entsteht ein Song in fünf Minuten auf der Gitarre. Meine erste gelungene Komposition Everything Is Good ist ein solches Beispiel. Das Gitarrenriff ist damals einfach rausgeplatzt, und dabei habe ich gerade die Wörter gesungen, die auf dem fertigen Song gelandet sind. Ein einmaliger Wurf, sozusagen. Der Song enstand vor mehr als zehn Jahren und ist dann auf meinem Debut Romantic Archeology gelandet, das man in Deutschland leider nur über meine Homepage bestellen kann. Dafür mit Widmung. (zwinkert) Aber das Video von Everything Is Good kann man auf meinem YouTube- Kanal anschauen. Es ist toll geworden, wir sind ja damals mit der NASA ins All geflogen und haben das Ganze in der Schwerelosigkeit gedreht. Ein wildes Abenteuer…







Orkus: In der Bandbio ist zu lesen, dass du in Zürich ein Musikstudium absolviert hast. Hast du als Student auch Akustikgigs auf der Strasse gegeben?

Domi Schreiber: Leider entspricht mein Werdegang nicht ganz deiner romantischen Vorstellung… Das Studium habe ich damals gemacht, weil ich mich musikalisch weiterbilden wollte. Ich wusste nichts über Notenschrift, Aufbau von Akkorden, Harmonie et cetera. Ich habe mich einfach brennend dafür interessiert. Schliesslich habe ich das Studium mit Diplom in Pädagogik abgeschlossen. Welches seither unbenutzt im Regal steht. Mein Geld habe ich bis vor wenigen Jahren als Gitarrist und Sideman in diversen Formationen verdient. Bis der Moment gekommen ist, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen.

Orkus: Deine schönste Erinnerung an deine Zeit als Musikstudent…?

Domi Schreiber: Der Moment, als ich mein Diplom in den Händen halten durfte und damit alle Sch…prüfungen hinter mir hatte. (lacht)

Orkus: Jetzt muss ich blöd fragten: Auf was genau soll der Albumtitel anspielen? Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Übersetzung etwas schwertue. Hilf mir bitte…

Domi Schreiber: Das „Repeat“ bezieht sich auf meine Vorliebe für lange – sich wiederholende – instrumentale Passagen, wo man sich schön drin verlieren kann. „Spacer“ ist einfach ein toller Ausdruck, der Raum und Platz vermittelt. Wenn ich nun ganz ehrlich bin, handelt es sich bei „Repeat Spacer“ in Wahrheit um eine Taste auf einer meiner geliebten mechanischen Schreibmaschinen, welche wir auch auf der Bühne einsetzen. Solange man auf die Taste drückt, bewegt sich die Walze der Schreibmaschine ratternd nach links. Wie wenn man mehrmals die Leerlauftaste – „Space“ – drücken würde. Das ist die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.